Kompost macht glücklich

Endlich Feierabend! Langsam wird es dunkel und ich lege die Schaufel aus der Hand. Wie üblich will ich zum Tagesausklang meine Gedanken in den Laptop schreiben. Doch heute fällt es mir unglaublich schwer. Die Hände schmerzen von ungewohnter körperlicher Arbeit und die Augen fühlen sich an wie Blei. Der zweite Tag an frischer Luft liegt hinter mir. Ich bin völlig k.o. und zufrieden mit mir wie schon lange nicht mehr.

Kompost macht glücklich, Gelasseenheit durch Kompostbau

Foto: Bernd Neuper

Es ist Ostern. Eigentlich wollte ich an diesen Tagen die Sonne genießen, etwas spazieren und mich dem Müßiggang hingeben. Leider hatte ich nicht berücksichtigt, dass ich in eine Bauernfamilie eingeheiratet hatte.

Vor ein paar Wochen hatte ich die Idee eingebracht, den Kompost auf eine neue Art anzusetzen. Von guten Freunden hatte ich interessante Hinweise bekommen, wie man den üblichen Kompost aufwertet. Ich erhielt sogar zwei Säcke mit geheimnisvollen Zutaten.

Die Familie meiner Frau ist Neuem sehr aufgeschlossen. Ich erhielt grünes Licht und eine Ecke zum Probieren.

Zunächst musste ich mir eine Kompostmiete bauen. Von Anfang an war klar, dass nichts zusätzlich gekauft wird. Ich stöberte auf dem Boden und im Schuppen nach alten Brettern. Plötzlich stiegen Erinnerungen an meine Kinderzeit auf. Damals gab es kaum etwas Interessanteres, als in alten Kisten und Schubladen zu stöbern. Bis heute faszinieren mich Gegenstände aus alten Zeiten.

Für dieses Wochenende disziplinierte ich mich. Ich trug alles zusammen, was mir sinnvoll erschien. Darunter waren auch die Einzelteile eines alten Schrankes. Wer weiß, wie viele Jahre er darauf wartete, wieder benutzt zu werden. Aus den dunkelsten Ecken kramte ich verstaubte Bretter, die trotz ihres Alters sehr stabil wirkten. Zum Schluss bestand meine Ausbeute aus einem wilden Haufen unterschiedlichster Baumaterialien.

Ich sortierte mit Gelassenheit meine Ausbeute. Offensichtlich gelang es mir tatsächlich, vom Alltag abzuschalten.

Normalerweise musste bei mir alles schnell gehen. Hier genoss ich jeden Handgriff.

Schließlich war ich mit dem Zwischenergebnis zufrieden. Jetzt musste alles auf ein einheitliches Maß geschnitten werden.

Damit begann der aufregende Teil des Tages. Zwar habe ich keine zwei linken Hände, doch vor bestimmten Werkzeugen habe ich Respekt. Dazu gehört zum Beispiel eine Kreissäge. In der Vergangenheit überließ ich solche Arbeiten gerne kundigen Händen.

Doch jetzt musste ich da durch. Ich wollte Kompost.

Es ging besser als ich dachte. In ungewohnter Gelassenheit führte ich das Werkzeug. Die Schnitte waren gerade. Als ich die Säge wieder weglegte, war ich stolz auf mich.

Dann schraubte ich drauf los. Mein altersschwacher Akkuschrauber brauchte mehr Pausen als ich. Werde ich im Alltag ausgebremst, kann ich schon mal ausrasten. Hier störte es mich überhaupt nicht. Während der Akku sich wieder auflud, gab es genügend andere Arbeiten zu erledigen. Auch gönnte ich mir eine gute Tasse Tee. Die Welt war für mich in Ordnung und die Unterbrechungen störten nicht.

Dann war die Miete fertig. Zugegeben, etwas rustikal sah es schon aus. Doch für ein Erstlingswerk wirkte das gute Stück äußerst stabil. Zufrieden bildete ich mir ein, dass Schlimmste überstanden zu haben. Den Aufwand einen alten Komposthaufen umzuschichten, hatte ich total unterschätzt. Nach zwei Stunden taten mir die Hände weh. Meine Unterarme schmerzten. Das Gestrüpp im alten Kompost trieb mich fast in die Verzweiflung. Das Umsetzen entwickelte sich zur echten Schinderei.

Ab heute weiß ich, warum mein Schwager immer schimpft, wenn jemand Zweige in den Kompost wirft. Ich werde so etwas nie wieder tun – Ehrenwort!

Meine Frau schlug vor, die Arbeit zu unterbrechen und morgen früh den Rest zu erledigen. Das kam natürlich nicht in Frage. Mein Stolz war größer als die Erschöpfung.

Seltsamerweise blieb ich dabei völlig gelassen.

Sobald im Alltag eine Zielstellung gefährdet ist, reagiere ich gereizt. Hier bewältigte ich das Problem mit innerer Gelassenheit. Lag das an der frischen Luft? Oder war ich schon zu fertig, um mich aufzuregen?

Jetzt sitze ich auf der Bank im Hof und kratze den schweren Boden aus dem Profil meiner Schuhe. Mein Ziel habe ich erreicht. Die Miete ist fertig und das Werkzeug aufgeräumt.

Mir fällt die rissige Haut meiner Hände auf. Ich nehme es gelassen. Es stört mich nicht. An einigen Stellen ist die Haut von den Zweigen aufgerissen, die ich aus dem alten Kompost zog. Auch das damit verbundene leichte Brennen lässt sich verschmerzen.

Um mich herum herrscht friedliche Abendstimmung. Ich habe keine Ahnung, welche Vögel mich mit ihrem Konzert beglücken. Ich höre nur zu und genieße.

Ich bin zufrieden mit mir.

Kompost macht eben glücklich und gelassen.

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